Beziehnungsweise Folge 2: Deckenventilator

Vielleicht hast du schon gelesen, wie sehr Sarah meine Idee hasst einen Deckenventilator in unserem Wohnzimmer aufzuhängen. Falls nicht kannst du ihre ganze Abneigung noch einmal hier nachlesen. Ich gebe zu: Der Gedanke ist etwas ungewöhnlich, denn gerade in in deutschen Haushalten trifft man den Deckenventilator eher selten an. Aber vielleicht erzähle ich lieber von Anfang an, oder besser vielleicht erzähle ich vom letzten Sommer.

Am Anfang war es heiß

Es ist Juni 2018 und es ist heiß. Es ist verflucht heiß. Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet. Die Temperaturen liegen seit Tagen konstant über 30 Grad, leider auch in meinem Schlafzimmer. Und genau hier liege ich und schwitze. Alle Fenster sind offen, aber Luft bewegt sich kein Stück. Ich drehe mich von links nach rechts, werfe die Decke, die nur noch aus dem Lacken besteht mal nur auf die Füße, dann wieder nur über die Brust. Ohne Decke kann ich nicht schlafen, mit Decke ist es zu heiß. Ich stehe auf und wandere durch die Wohnung. Vielleicht hilft wird es besser, wenn das Bett etwas abkühlt. Aber es hilft nicht. Ich bin wach und schwitze.

Letzten Sommer habe ich drei Wochen am Stück so gut wie gar nicht geschlafen. Klar freue auch ich mich über gutes Wetter, aber mit Hitze kann ich nur schwer umgehen. Als klar wurde, dass Sarah und ich die zusage für unsere Wohnung bekommen hatte ich also gemischte Gefühle. Klar, die Wohnung ist ein Traum, aber sie ist eben auch unterm Dach und das kann ganz schön heiß werden. Natürlich war das kein Grund die Wohnung nicht zu nehmen. Eher betäube ich mich in den Sommermonaten jeden Abend mit dem ein oder anderen Drink als mir so eine Traumwohnung entgehen zu lassen. Jedoch eine gewisse Angst ist geblieben.

Rettung naht

Und dann kam er, der erste warme Tag, schon im März. Und wie sollte es auch anders sein, unsere Wohnung war warm, wenn nicht sogar heiß. Die Erinnerung an den letzten Sommer stieg in mir hoch und aus meiner anfänglich noch sanft im Hintergrund ruhenden sorge wurde wild tosende Panik. Irgendetwas musste getan werden. Irgendeine Lösung musste her. Und so wanderte mein Blick an die Decke.

Ich hatte sofort nach dem wir eingezogen sind, alle Deckenleuchten angebracht und dazu auch einige Kabel in der Decke verlegt. Langsam aber sicher war ich mit der Elektrik in der Wohnung vertraut. Und da oben, im spitz unseres Wohnzimmers waren zwei Anschlusskabel für Deckenleuchten. Die Idee nahm also langsam Form an. Strom lag bereits an der richtigen Stelle und der hohe Spitz im Wohnzimmer war einfach ungenutzter Raum, oder anders Gesagt: Der ideale Platz für einen Deckenventilator.

Ungewohnte Hindernisse

Sarah und ich waren zwar gerade zusammen gezogen, aber wir kannten uns noch nicht besonders lange. Genaugenommen waren wir gerade zwei Monate ein Paar. Und auch wenn jetzt viele sagen werden, dass das nicht sein kann: Wir waren uns bis dahin bei allem völlig einig. Ich war also im Begriff eine gänzlich neue Erfahrung in unserer Beziehnung zu machen. Frohen Mutes erzählte ich also Sarah von meinen Plänen für unsere Decke. Was folgte fühlte sich an wie eine dieser Slow Motion Aufnahmen von Crash Tests. Sarah war nicht einfach dagegen. Sarah hasste die Idee mit jeder Faser ihres Körpers. Diese Erfahrung war ungewohnt. Sarah, die sonst nie schwierig oder eigen war, war plötzlich völlig kompromisslos.

Neue Wege

Die erste Schlacht war also geschlagen und ich hatte eine bittere Niederlage eingesteckt. Gut, ich gebe zu ich war schlecht vorbereitet. Ich war davon ausgegangen, dass sich die Genialität meines Plans jedem von selbst erschließen muss. Aber weit gefehlt. Es musste also eine neue Strategie her und die hieß: Verkaufen! Wenn Sarah keinen Deckenventilator will, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass ihre Assoziationen mit dem Thema nicht sonderlich positiv sind. Es war also an der Zeit neue Geschichten zu erzählen und andere Bilder zu malen.

Ich erzählte Sarah also von Südafrika. Von weitläufigen Lodges im Kolonialstil und dem Geschmack von südafrikanischem Wein auf der Zunge. Ich erzählte von Cuba, von den Hotellobbys altehrwürdiger Häuser, von Innenhöfen mit Palmen, dem Geruch von Zigarren und der kühlenden Verheißung eines perfekten Mochitos. Ich spann das Bild weiter, erzählte von Ecuador, Spanien und Mexiko. Jeden Ort an dem ich je war versuchte ich vor ihr inneres Auge zu holen und dann in diesem Bild den Deckenventilator unterzubringen.

Normalerweise ist das eine bewährte Strategie. Ist ein Thema erst einmal positiv belegt, lässt sich viel leichter darüber verhandeln. Leider brach mein Bild, egal wie blumig und detailreich ich es auch malte, jedes mal zusammen wie ein Kartenhaus, wenn das Wort Deckenventilator viel. Ich war also keinen Schritt weiter und der Sommer nahte mit grausiger Gewissheit.

Die ganz große Keule

Mir blieb nur ein letzter Pfeil in meinem Köcher. Wenn es nichts hilft den Deckenventilator positiv zu besetzen musste eben die Abwesenheit eines Deckenventilators negativ besetzt werden. Und dabei sollte mir ein Eisbär helfen. Um das Geschütz richtig groß zu machen sollte es ein Babyeisbär sein. Ein kleines, tapsiges Fellknäuel mit runder Stupsnase und traurigen Knopfaugen sollte mein letzter Strohalm in diesem Gefecht werden. Deckenventilatoren lassen sich nämlich auch andersherum drehen, so dass sie die warme Luft von oben nach unten saugen. Gerade in Wohnungen wie unserer mit hohen Decken kann man so einiges an Heizkosten sparen. Weniger heizen bedeutet weniger Treibhausgase, bedeutet kein Abschmilzen der Polkappen, bedeutet weniger tote Babyeisbären.

Und so fuhr ich in den nächsten Wochen alles auf, was mir zur Klimakatastrophe einfiel. Ich sag nur: Al Gore wäre stolz auf mich gewesen. Bei jeder Gelegenheit erinnerte ich Sarah an ihre Verantwortung Mutter Erde gegenüber. In jedem Moment der sich mir bot rief ich ihr die wohl bekannten Bilder in den Kopf: Verhungernde Eisbären auf winzigen Eisschollen, Affen in abgebrannten Bäumen, den ganzen Zoo der Verzweiflung. Nur Sarah rührte sich nicht. Sie beharrte auf ihrer Position, stoisch, ruhig und nicht bereit sich auch nur einen Millimeter zu bewegen.

Manchmal kommt es anders als man Denkt

Inzwischen ist es Sommer. Seit Wochen hat es nicht mehr geregnet und die Temperaturen liegen seit Tagen konstant über 30 Grad, ausser in unserem Schlafzimmer. Entgegen meinen Befürchtungen ist es ziemlich kühl in unserer Wohnung und ich schlafe wie ein Baby. Und ich bin Dankbar, dankbar das meine Freundin ein Sturkopf ist, denn wenn ich ehrlich bin muss ich ihr recht geben. Es gibt auf dieser Welt leider keine schönen Deckenventilatoren.

Kategorien Leben
Felix Sodomann

Hallo Welt! Vor über drei Jahren hat es mich aus dem wunderschönen Süden der Republik in das mindestens genauso schöne Hamburg verschlagen. Hier habe ich auch meine Leidenschaft fürs Gärtnern entdeckt, die ich wann auch immer möglich auf unserer Parzelle auslebe. Wenn ich nicht in der Erde wühle oder den Rasen im Zaum halte, fröhne ich meiner anderen großen Leidenschaft: dem Kochen. Seit Sarah in mein Leben getreten ist, ist auch wohn.glück ein fester Bestandteil meines Alltags geworden und aus Sarahs Baby ist unser gemeinsames geworden. Und auch wenn es uns manchmal bis tief in die Nacht wachhält ist wohn.glück inzwischen auch meine Leidenschaft.

15 Kommentare zu “Beziehnungsweise Folge 2: Deckenventilator

  1. Avatar

    Tolle neue Kolumne und Ergänzung . Wirklich!! Aber achtet doch bitte auf Rechtschreibung und Kommasetzung…da sind einfach zu viele Fehler im Text. LG

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    Ganz toll geschrieben
    Freu mich auf weitere Posts von dir! Super, dass ihr zwei das jetzt gemeinsam macht!!!

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    Sehr witziger Artikel mit der richtigen Schlussfolgerung.

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    Habt ihr mal über ein mobiles Klimagerät nachgedacht? Wir haben mal eines für rund 500 Euro geschossen, kühlen das Schlafzimmer 1-2 Stunden vorm schlafen runter und schalten es dann aus wenn wir zu Bett gehen! Wäre vielleicht ja auch noch eine Idee

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    Rebecca

    Du solltest öfter auf deine Sarah hören, lieber Felix!
    Aber man kann dir nicht vorwerfen, dass du es nicht versucht hättest!
    Und vielleicht als kleinen Tip am Rande: Tagsüber Fenster & Türen geschlossen halten, Rollos runter und erst am Abend wieder lüften. Ich mache das schon viele heiße Sommer so und es macht die Hitze in der Bude ein wenig erträglicher

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    Stephan

    Ich habe nach langer Suche eine hängen und möchte diesen gerade im Sommer nicht mehr missen. Kannte die auch nur in zweckmäßig und da war dann die Wärme das kleinere Übel. Als ich ihn mit seinem matt schwarzen Motor und den Flügeln aus hellem Holz sah war es liebe auf den ersten Blick. So reduziert und ohne Schickschnak wirkt er schon fast skandinavisch obwohl er aus Spanien kommt.

    Also Felix lass dich nicht unterkriegen und schau dir die Ventilatoren von Faro Barcelona an.

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